
Aussaathinweise
Das Keimverhalten von Samen ist sehr unterschiedlich. Die Samen der Wildpflanzen sind offensichtlich auf die jeweiligen Vermehrungsbe- dingungen der Art abgestimmt. Keimhemmende Stoffe und die Art der Samenschale bestimmen, unter welchen Bedingungen der Keimansatz genügend Feuchtigkeit bekommt, um mit seinem Wachstum zu beginnen.
Gruppen von Keimverhalten
Im Katalog und im Samen-Shop von Hof Berggarten wird das Keimverhalten
der Samen mit 5 Kennziffern bezeichnet. Dabei bedeutet
1 Schnelle und problemlose Keimung.
Soweit es sich um Stauden handelt, können sie zwischen März und September ausgesät werden. Bei späterer Aussaat sind noch schwach
verwurzelte Jungpflänzchen im Freiland nicht überwinterungsfähig. Einjährige Blumen sollten bis Anfang Juni ausgesät sein, da sie sonst
vielleicht nicht mehr zum Blühen kommen.
2 30-50 Tage Keimzeit.
Im Übrigen wie bei 1.
3
Samen keimen über eine Saison verteilt.
In der Natur ist es für die Fortpflanzung dieser Pflanzen sehr nützlich,
dass nicht alle Samen zur gleichen Zeit keimen. Bei ungünstigen Witterungsabläufen bleibt immer noch eine Samenreserve im Boden. Es ist
also für Beobachter Geduld erforderlich und bei Anzucht in Saatschale ein mehrmaliges vorsichtiges Entnehmen ausreichend entwickelter
Jungpflanzen. Bei Aussaat ins Freiland ist bei der Pflege entsprechend vorsichtig umzugehen.
4 Kaltkeimer
Samen benötigen eine Kaltphase, Herbstaussaat. Kaltkeimer
werden manchmal unzutreffend "Frostkeimer" genannt, denn sie benötigen eine Kühlperiode zur Aufhebung der Keimruhe. Es muß aber
nicht Frost sein. (Gefrierschrank ist wegen plötzlichem Temperatursturz schädlich).
Bei Herbstaussaat im Freiland stellt der Winter in Mitteleuropa die passenden Bedingungen. Mit einigen Opfern an die Vögel und Mäuse muss
gerechnet werden.
Man kann die Keimung mittels Kühlschrank beschleunigen. Um dort Platz
zu sparen, können die Samen mit feuchtem Sand vermischt in einen Beutel
getan werden. Dieser wird zunächst 2-4 Wochen warm (ca. +18 bis 22°C)
und gut feucht gehalten. Danach sind 4-6 Wochen im Kühlschrank bei -4
bis +4°C ausreichend. Anschließend kann das Samen-Sand-Gemisch auf
eine Saatschale gegeben werden. Es soll aber zunächst nur auf 5 bis 12°C
erwärmt werden, auch wenn bereits eine Keimung zu erkennen ist!
5 Problemkeimer.
Drei bis acht Jahre bis zur blühfähigen Pflanze.
Manchmal reicht eine Kälte-/Wärmeperiode nicht zum Erfolg. Einige
Stauden brauchen einen längeren Zeitraum bis eine Keimung beginnt. Es kann ein weiteres Jahr erforderlich sein.
Einige Arten lassen für lange Zeit die erfolgte Keimung nicht erkennen.
Manche entwickeln in den ersten Jahren nur winzige Keimblättchen , die
der oberflächlichen Beobachtung entgehen, besonders Zwiebel- und
Knollenpflanzen. Erst wenn die unterirdischen Teile einige Jahre alt
sind, entwickelt die Pflanze volles Kraut und Blütenstände. (Z. B.
Gelber Enzian, Bärlauch, Herbstzeitlose). Geben Sie die Aussaat nicht vorzeitig auf.

Alle Wildpflanzen können früh im Jahr ausgesät werden. Ein Warten auf wärmeres
Frühjahr ist nicht notwendig. Auch Schnellkeimer vertragen kalte Frühjahrsnächte.
Senken des Bodens den Kontakt verlieren (hochfrieren). Notfalls kann man sie wieder andrücken.
Frühe Aussaat ist für sehr viele Arten günstig, da ein Wechsel der Temperatur jedenfalls die Keimung begünstigt.
Weitere Hinweise
Weil die mitteleuropäischen Wildpflanzen das hiesige Klima gewohnt sind, sollte die Aussaat immer im Freien stattfinden. Zwischen März und Mai kann man sicherlich im Gewächshaus einiges an Keimung und Wachstum beschleunigen. Aber logischerweise benötigen die Wildpflanzen dies nicht.
Die Samenschale muss porös werden und Feuchtigkeit ins Innere lassen. Große, hartschalige Samen lassen sich durch Reiben mit Sand oder Sandpapier "verletzten", so dass der Keimprozess schneller in Gang kommen kann.
Einige positive Erfahrungen wurden mit einer Tinktur aus Baldrianblüten gemacht. Hartschalige Samen wurden einige Tage in verdünnter Baldriantinktur eingeweicht. Damit konnten zum Beispiel sehr alte Storchschnabelsamen zum Keimen gebracht werden. (Deutlicher Unterschied zur Vergleichsaussaat.)
Zu unterscheiden ist zwischen kürzlich geernteten, frischen Samen und gelagerten Samen. Für Lagerung und Handel müssen die Samen getrocknet und möglichst von Spreu gereinigt werden. Dann lassen sich die meisten Arten lange lagern. Aber die "Wiederbelebung" kann etwas länger dauern.
Einige Samen liegen sehr
lange bis zur Keimung. Aus Platz- und Pflegegründen werden solche Samen in der Erwerbsgärtnerei "stratifiziert":
Einschichten der Samen in feuchten Sand. Abwechselnd eine Schicht gut feuchten Sand, eine dünne Schicht Samen usw.
Die Kisten setzt man an schattiger Stelle den Witterungseinflüssen aus und schützt durch feines Drahtgeflecht vor Mäusen und Vögeln. Sobald
die Keimung beginnt, sofort mit dem Sand auf das vorbereitete Saatbeet ausbringen.
Sehr feine Samen sind nur
schwerlich gleichmäßig zu verteilen. Für die Aussaat mit der Hand ist es einfacher, die Samen mit sehr feinem Sand oder einem anderen gut
streufähigem material zu mischen, um eine gleichmäßige Verteilung der Saat zu erzielen.
Feine Samen werden nicht mit Erde bedeckt, sondern nur leicht angedrückt.
Um Verschwemmen zu verhindern muss entsprechend vorsichtig bewässert werden.
Es ist immer vorteilhaft, Samen sofort nach der Lieferung auszusäen. Die Saatqualität verringert sich mit der Zeit und es ist schwer vorauszusagen, welche Keimfähigkeit Saatgut nach 4 bis 5 Monaten Lagerung in einer offenen Packung noch hat. Falls eine Lagerung unvermeidlich ist, sollte sie kalt, dunkel und trocken stattfinden.

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